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Als Trauma versteht man ein gewaltvolles oder überwältigendes Ereignis, das die Bewältigungsmöglichkeiten eines Menschen überfordert. Dieses Ereignis geht mit einer (Lebens) Bedrohung einher, die gekennzeichnet ist durch ein ausgeprägtes Erleben von Ohnmacht, Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein.
Wie stark ein Mensch auf ein traumatisches Ereignis reagiert und ob er dadurch langfristige Folgen davon trägt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Vor allem sogenannte „man made“ Traumata, also überwältigende Erfahrungen, die von Menschen verursacht wurden, wie beispielsweise eine Vergewaltigung, erschüttern das Selbst- und Weltverständnis von Menschen sehr stark. Besonders schwerwiegend wirken sich traumatische Verletzungen aus, die in der Kindheit regelmäßig durch nahe stehende Personen zugefügt werden, so z.B. bei sich wiederholenden sexualisierten Übergriffen in der Kindheit. In den vergangenen Jahren wurde zunehmend die medizinische Sicht um das Erleben und die Folgen sexualisierter Gewalt in den Vordergrund gerückt. Dabei sind die Ergebnisse der Psychotraumaforschung für von sexualisierter Gewalt betroffene Frauen und Mädchen von erheblichem Nutzen: Neben einem besseren Verständnis der Folgen von sexualisierten Übergriffen, gibt es inzwischen hilfreiche therapeutische Konzepte und eine größere gesellschaftliche Anerkennung des Leids, das durch die Gewalttaten verursacht wurde. Demgegenüber zeigen sich aber auch deutliche Nachteile für von sexualisierter Gewalt betroffene Frauen: Nicht selten wird die Gewalttat und deren geschlechtsspezifische Akzentuierung durch den Begriff „Traumatisierung“ verdrängt. Gewalt wird nicht mehr als solche benannt, geschweige denn ihre sozialen, geschlechtsspezifischen, kulturellen, rassistischen und politischen Ursachen diskutiert. Die Auseinandersetzung um Ursachen und Folgen von sexualisierten Gewalterfahrungen wird entpolitisiert. Zudem bestätigt und verfestigt sich das Schweigegebot zum Thema Sexualisierte Gewalt. Das Tabu wird trotz der vielen Veröffentlichungen und Medienberichte aufrechterhalten. In Folge erleben betroffene Frauen häufig eine ‚Viktimisierung’, d.h. sie werden ausschließlich auf ihr „OpferSein“ reduziert, auf das Opfer, das an den Folgen des ‚Traumas’ leidet. Sie werden nicht mehr als handelnde Subjekte wahrgenommen, die aktiv versuchen die erlebte Gewalt zu bewältigen, sondern werden auf einen ObjektStatus reduziert, der ihre passive Rolle als Frau betont. Oder sie werden pathologisiert, d.h., nicht mehr die sexualisierte Gewalterfahrung steht im Vordergrund, sondern die zahlreichen sich anscheinend zwangsläufig ergebenden Diagnosen. Die Idee, sexualisierte Gewalterfahrungen führen zu „lebenslänglichen, katastrophalen“ Folgen, ja sogar zu „Seelenmord“, fördert ein Bild des Opfers, das nur noch durch seine Defizite definiert wird und behandlungsbedürftig ist. Dass dieses gesellschaftlich konstruierte Bild gleichzeitig den eigenen Umgang mit der Gewalterfahrung negativ beeinflusst wird zudem ausgeblendet. Und darüber hinaus kommt es auch zu einer Individualisierung des Problems, d.h. diegesellschaftliche Dimension von sexualisierter Gewalt wird nicht mit einbezogen. Sexualisierte Gewalt wird als individuelle Störung entweder auf Seiten des Täters oder des Opfers gesehen oder schlichtweg als „schrecklicher Schicksalsschlag“. Somit geht auch der Umgang mit den Gewalterfahrungen in die persönliche Verantwortung der Frau über. Vergewaltigung wird als Einzelschicksal verstanden; die Folgen einer Vergewaltigung als Krankheit interpretiert, die Behandlung braucht. „Das Trauma wird nicht über den auslösenden Kontext definiert, sondern über die möglichen Symptome, die aus den seelischen Erschütterungen resultieren können. Die gesellschaftliche Dimension wird dabei außer Acht gelassen. Es findet zwar die Tatsache Anerkennung, dass soziale Realitäten, … schwere psychische Folgen nach sich ziehen können, doch werden diese sozialen Verhältnisse gewissermaßen entpolitisiert im Sinne eines Stressfaktors unter vielen. Damit lässt sich das Wechselverhältnis zwischen gesellschaftlichen Ursachen und individuellen Reaktionen nicht adäquat nachvollziehen.“ Quellenangabe: Heckl, U., in: Report Psychologie 1/2003 Geändert von Vicky (20.06.2011 um 12:58 Uhr) |
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