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Worauf Freundinnen, Freunde und Angehörige von Betroffenen achten sollten
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Geschrieben: 14.02.2010 um 16:40 von Support
Als ich mich vor fast 12 Jahren das erst Mal mit der Thema sexuelle Gewalt näher beschäftigt habe, weil eine mir nahestehende Frau selbst vergewaltigt worden ist und sich kurze Zeit nach der Tat anvertraute, konnte ich vielleicht wegen meiner Betroffenheit (oder auch eigenen Hilflosigkeit) mit der Gesamtsituation schwer umgehen und fühlte mich in meinem Verhalten der betroffenen Frau gegenüber teilweise unsicher. Dies lag sicherlich auch mit an der Tatsache, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt keinerlei persönliche Erfahrung mit einem Menschen hatte, dem sexuelle Gewalt angetan worden ist und aufgrund dessen konnte ich manches Verhalten von der betroffenen Frau nicht immer verstehen und trotzdem war folgendes immer wichtig:
  • Einfach für sie da zu sein und ihr zu zuhören, wenn sie über ihre Gefühle sprechen wollte.
  • Ihr zu vermitteln, dass ich ihr vorbehaltlos glaube und keine Zweifel an ihren Worten habe.
  • Sie nicht mit Fragen zu bedrängen. Sondern zu warten bis sie von sich aus über ihre Gefühle (oder auch über die Tat) reden wollte.
  • Wenn sie innerlich mit Selbstvorwürfen oder Schuldgefühlen zu kämpfen hatte, ihr zu vermitteln und sie darin zu bestärken "DU hast keine Schuld"!
  • Nichts zu unternehmen, was mit ihr im Vorfeld nicht abgesprochen worden ist.
Da ich mich der Frau nur rein instinktiv entsprechend verhalten habe, müssen die genannten Punkte natürlich nicht immer hilfreich sein. Allerdings bin ich auch heute noch davon überzeugt, dass man als Freund, Freundin, Partner oder Angehörige mit den oben genannten Punkten grundsätzlich nichts falsch macht.
Durch Zufall bekam ich vor ca. 2 Jahren Informationen zur Verfügung gestellt, welche speziell für Angehörige, Freundinnen, Freunde und Partner von Betroffenen Frauen (und Mädchen) zusammengefasst wurde.


Zitat:
Als Nahestehende, Angehörige oder Bekannte einer Frau, die vergewaltigt worden ist, sind Sie vielleicht verwirrt und verunsichert und wissen nicht, wie Sie mit der Situation umgehen sollen. Ihre Reaktion ist sehr wichtig für die vergewaltigte Frau, denn sie bestimmt mit, inwieweit es ihr gelingt, die Gewalterfahrung zu verarbeiten.

Vergewaltigung - ein Angriff auf die ganze Person

Vergewaltigung ist ein massiver Angriff auf die Würde der Frau, d.h. auf ihre körperliche und psychische Unversehrtheit. Jeder sexuelle Übergriff ist eine schwere Persönlichkeitsverletzung. Frauen erleben, dass sie der Macht und Willkür eines Mannes ausgesetzt sind und fühlen sich ohnmächtig, benutzt, hilflos und einsam. Die unmittelbaren Reaktionen der Frauen sind Angst, bis hin zu Todesangst, Hilflosigkeit und Verwirrung. Manche Frauen scheinen anschließend teilnahmslos und ruhig, andere hingegen sind aufgebracht, verwirrt und weinen. Eine Vergewaltigung löst bei einer Frau fast immer eine längerfristige emotionale Krise aus, welche Erstreaktion auch immer sie zeigt.


Folgen der Tat können sein:

  • sich beschmutzt fühlen
  • das Bedürfnis, sich ständig zu waschen
  • gestörte Beziehung zum eigenen Körper
  • keine Lust auf Sexualität
  • Angstzustände
  • der Wunsch so zu leben, als ob nichts gewesen wäre
  • das Erlebte verdrängen
  • Misstrauen gegenüber Männern
  • sich ständig überflüssig und deplaziert fühlen
  • die Frau plagt sich mit Schuldgefühlen: "Warum ich? Was habe ich falsch gemacht? Was wäre gewesen, wenn ich mich richtig gewehrt hätte? Ich hätte...also bin ich selber schuld!
Viele Freundinnen, Freunde und Angehörige begegnen der Frau unter Umständen mit Misstrauen und Unverständnis, da sie sich das was die Frau erzählt, nicht vorstellen können. Es fallen Bemerkungen, wie "So schlimm kann das nicht gewesen sein, sonst hättest du ihn sofort angezeigt", oder "Du hast dich ja auch nicht genügend gewehrt".
Solche Reaktionen stellen für eine vergewaltigte Frau eine große Belastung dar, denn sie vermitteln der Frau das Gefühl, dass ihr nicht geglaubt wird.


Das unvoreingenommene Zuhören ist wichtig für die Frau und bedeutet für sie eine psychische Entlastung.


Vielleicht fragen Sie sich, wie es nur dazu kommen konnte. Mit Fragen wie "Warum hast du dich von ihm einladen lassen?" oder "Warum hast du ihn nicht schon längst verlassen?", können Sie Ihre Angehörige oder Bekannte sehr verletzen, denn Sie sagen ihr damit, dass sie im Grunde selbst schuld oder zumindest mitschuldig sei. Die Frau ist dadurch nicht nur mit ihren eigenen Verletzungen und Schuldgefühlen, sondern zusätzlich auch noch mit Schuldvorwürfen ihrer vertrauten Umgebung belastet. Die Schuld liegt allein beim Täter. Seine Tat ist durch das Verhalten der Frau in keiner Weise zu relativieren oder zu entschuldigen.

Gerade Männer zeigen häufig Wut über das Verhalten des Vergewaltigers und reagieren mit Sätzen, wie "Den Kerl bring ich um!". Diese spontane Wut ist verständlich. Sie hilft der Frau aber nicht, sondern führt unter Umständen dazu, dass die Frau von nun an schweigt, um ihre Angehörigen wieder zu besänftigen. Die Wut auf den Täter lenkt oft vom Mitgefühl mit dem Opfer ab.


Auch die Partner betroffener Frauen haben die Möglichkeit, sich professionelle Unterstützung zu suchen. Manche Freundinnen und Bekannte im näheren Umfeld der Frau reagieren mit Ratlosigkeit, Ohnmachtsgefühlen und Traurigkeit auf die Vergewaltigung. Sie haben meist großes Verständnis für die Situation der Frau und empfinden stark das Unrecht, das ihr zugefügt wurde und haben gerade deshalb das Bedürfnis zu handeln. Sie meinen, der betroffenen Frau ohne deren Zustimmung zu helfen: Anzeige erstatten, an die Öffentlichkeit treten, den Vergewaltiger bestrafen. Manchmal haben Bezugspersonen das Gefühl, sie wüssten genau, was für die betroffene Frau gut sei. Sie geben dann viele Ratschläge, drängen sie z. B. zur Anzeige und/oder dazu, alles zu vergessen und wieder "normal" zu werden. Hier ist es ganz wichtig zu unterscheiden, welche Bedürfnisse und Handlungsvorstellungen die Bezugspersonen haben und wie die der betroffenen Frau aussehen. Jeder Schritt muss mit ihr abgesprochen werden, denn es ist wichtig, nicht über ihre Bedürfnisse hinweg zu handeln und sie so erneut zu entmachten. Unterstützung und Hilfe sind sehr wichtig für die Frau. Doch nur sie allein weiß, was für sie gut und richtig ist! Ihre Bedürfnisse und Wünsche stehen im Vordergrund. Sie allein entscheidet, ob sie jetzt Ablenkung braucht oder lieber für sich sein möchte. Überreden Sie die Frau zu nichts, auch wenn es schwer fällt. Ihr wurde durch die Tat der Wille eines anderen aufgezwungen. Ihre persönliche Würde und Ihre Persönlichkeitsgrenzen wurden verletzt. Achten Sie deshalb in dieser Situation ganz besonders darauf, die Grenzen der Frau wahrzunehmen und zu respektieren."

Diese Informationen finde ich gerade für Angehörige und Freunde sehr wichtig, da sie die Möglichkeit bieten, ein evtl. anders Verständnis für das Verhalten von Betroffenen zu entwickeln und somit den persönlichen Umgang mit den Opfern von sexueller Gewalt erheblich erleichtern.
Zuletzt aktualisiert: 27.07.2010


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