Oft können sich Betroffene erst durch eine räumliche Trennung von einem gewaltigen Partner befreien.
Schon beim ersten Anzeichen häuslicher Gewalt solltest du an deine Sicherheit denken und Vorkehrungen für deinen eigenen Schutz und ggf. dem Schutz deiner Kinder treffen.
Dies erleichtert es dir im Notfall erst einmal vielleicht bei Freunden / Verwandten oder aber in einem Frauenhaus unterkommen.
Betroffene Frauen sollten die nachfolgenden Informationen lediglich als
erste (nützliche) Hinweise verstehen. Solltest du selbst Opfer von häuslicher Gewalt sein und weitere Übergriffe befürchten, dann nimm bitte die Hilfe einer
Frauenberatungsstelle in Anspruch nehme Kontakt zu einem Frauenhaus (
Frauenhauskoordinierung e.V) auf.
Was sollte bei einem präventiven Notfallplan berücksichtigt werden?
- Notiere dir wichtige Telefonnummern (z. B. Polizei-Notruf, Frauenberatungsstelle, Frauenhaus) auf einen Zettel welchen du z.B. in der Geldböse o.ä. versteckst. Außerdem solltest du ausreichend Kleingeld bzw. Telefonkarte immer griffbereit haben (Hinweis! eingeschaltetes Handy kann geortet werden).
- Sprich mit einer Person Ihres Vertrauens über Notfallplan (z.B. Freundin, Nachbarin) und vereinbare mit dieser Vertrauensperson und evtl. deinen Kindern ein Codewort, falls du am Telefon nicht mehr offen sprechen kannst und plötzlich die Wohnung verlassen musst.
- Wenn nicht vorhanden, eröffne sicherheitshalber ein eigenes Bankkonto/Kreditkarte. Es ist sinnvoll die Unterlagen bei der Person deines Vertrauens zu deponieren.
- Verstecke Geld und Ersatzschlüssel an einem nur dir bekannten Ort, damit du dieses im Notfall griffbereit hast.
- Stell dir einen "Notfallkoffer" zusammen. Bring den Notfallkoffer bei der Person deines Vertrauens (z.B. bei Freunden, Nachbarn) in Sicherheit oder deponiere am Arbeitsplatz. In einer Notsituation kannst du dann darauf zurückgreifen.
- Nimm Kontakt zu einem Anwalt/Anwältin auf, die dich im Notfall unterstützen kann.
Erfahrungen von Frauenberatungsstellen und Behörden belegen, dass Gewalttäter aus Wut nach einer Trennung dazu neigen, wichtige Dokumente von betroffenen Frauen und Kindern zu vernichten. Deshalb empfehlen Beratungsstellen betroffenen Frauen, sich einen "Notfallkoffer" für eine Zwanglage an einen sichern Ort zu deponieren.
Neben Dinge des täglichen Bedarfs wie Kleidung, Hygieneartikel, Medikamente, Schulsachen, etc. sollte eine Notfalltasche folgende wichtige Dokumente (im Original oder Kopie)und Gegenstände enthalten:
- Personalausweis / Reisepass
- Krankenversicherungs-Scheckkarte
- Versicherungsnachweisheft
- Heiratsurkunde
- Geburtsurkunde
- Arbeitsvertrag
- Lohnsteuerkarte
- Rentenbescheid
- Arbeits- und Schulzeugnisse
- Einstweilige Verfügungen
- Ärztliche Atteste
- Mietvertrag
- Kontoauszüge der letzen drei Monate
- Kredit- und Versicherungsverträge (Unterlagen über Raten- und Leasingverträge, Lebensversicherungen, Depot-Auszüge über Wertpapiere, ect.)
- Arbeitsvertrag und Anschrift des Arbeitgebers des (Ehe-)Partners
- Ersatzschlüssel für Wohnung / Auto
- Adressbuch
- Erinnerungen: Tagebücher, Fotos und geliebte Dinge
Eventuell leben Kinder mit im Haushalt. Dann sollte der Koffer zusätzliche Dokumente (im Original oder Kopie) und Gegenstände enthalten. Denke bitte z.B. an:- Ausweise
- Geburtsurkunden
- Impfausweise
- Zeugnisse
- evtl. Kopien von Sorgerechtsentscheid / Schutzanordnung
- Lieblingsspielzeuge
- Schulsachen
Wo finde ich einen sichern Zufluchtsort?
- In unserem Linkverzeichnis findest du wichtige Kontaktadressen von Frauenberatungsstellen, Frauennotrufe und weiteren Anlaufstellen. Die MitarbeiterInnen der Beratung- und Interventionsstellen nehmen sich in kompetenter Weise deiner Situation an und unterstützen dich bei der Lebensplanung ohne Gewalt.
- Vielleicht ist möglich erst einmal bei Freundinnen, Freunden, Kolleginnen, Kollegen oder Verwandten unterzukommen. Dies macht jedoch oft nur Sinn, wenn dem Gewalttäter deren Adressen nicht bekannt sind.
- Solltest du dich nach den Übergriffen entschließen, die gemeinsame Wohnung zu verlassen und es besteht keine Möglichkeit um sicher unterzukommen, so können Frauenhäuser dir und ggf. deinen Kindern einen sichern Zufluchtort bieten. Von dort aus hast du dann in Ruhe die Möglichkeit, dich um eine neue Wohnung zu kümmern. Frauenhauskoordinierungstelle
Es ist keine Schwäche professionelle Hilfe anzunehmen, sondern vielmehr der erste Schritt auf dem Weg in ein gewaltfreies Leben!
An dieser Stelle möchten wir uns bei den Mitarbeiterinnen der Frauenberatungstelle Ulm (
Frauen helfen Frauen e.V.) und des
Dachverbandes der autonomen Frauenberatungsstellen (FBST) e.V. für ihre nette Unterstützung bedanken.
Im Anhang findest du einen "persönlichen Sicherheitsplan", Dieser basiert auf der Grundlage des »Separation Safety Plan« des Metropolitan Nashville Police Department. Zusammengestellt und übersetzt hat ihn Angelika May. Diesen kannst du herunterlanden, ausdrucken und mit eigenen Notizen ergänzen.